Ines` Reisebericht: Besuch in den Tierheimen Lleida und Benavarre im September 2015

Was war ich nervös! Spontan entschied ich mich dafür, unsere beiden Tierheime in Katalonien zu besuchen. Schnell noch ein paar spanische Vokabeln gepaukt, weil man vor Ort nur spanisch bzw. katalan spricht. Aber schließlich wollt ich ja endlich mal meine Spanischkenntnisse anwenden. Hier hatte ich die Gelegenheit dazu. Also flink in Spanien meinen Besuch angekündigt. Olga, eine der Tierheimmitarbeiterin in Lleida wollte alles für mich organisieren. Glücklicherweise spricht sie gut englisch und etwas deutsch also dachte ich mir, dass es so schlimm nicht werden würde. Trotzdem war ich sehr aufgeregt. Mir wurde angeboten, bei Maica und ihrem Mann Blai zu übernachten, da ich dort mit meiner Hündin Momo hin durfte.

 

Die Vorfreude stieg und ich fuhr am Samstag, den 5. September ganz früh morgens los. Die vielen Kilometer verflogen recht schnell und am Sonntag gegen 18 Uhr war ich in Albatàrrec, einem Ortsteil von Lleida wo Maica wohnt. Ich war so aufgeregt. Ich wurde sehr herzlich begrüßt und willkommen geheißen. Wir kannten uns ja bisher noch nicht und wir hatten vorher auch noch keinen Kontakt, aber ich fühlte mich überhaupt nicht fremd und meine Unsicherheit verschwand schnell.

 

Am nächsten Tag sollte ich mich mit dem Mitarbeiter Ibrahim in einem Kreisverkehr treffen, um mit ihm zum Tierheim zu fahren. Maica musste ja tagsüber bis 16 Uhr arbeiten. Alle Tierheimmitarbeiter arbeiten wie wir, ehrenamtlich dort und sind meistens Vollberufstätig. Das kann ja lustig werden, dachte ich. Wie soll ich mich im Kreisverkehr mit Ibrahim treffen? Wie soll das gehen? Soll ich ständig im Kreis herum fahren? Und wie lange? Spanier sind doch immer unpünktlich, oder? Blai malte mir dann glücklicherweise eine Wegbeschreibung auf einen Zettel und erklärte mir, dass ich dort an einer Tankstelle halten sollte. Ok, das klingt ja schon besser. Dann war alles doch recht einfach, Kreisverkehr gefunden, Tankstelle gefunden und noch schnell Ibrahim geschrieben, dass ich dort wäre. Ich dachte, ich sehe nicht richtig, da sah ich schon sein Auto. Nix mit Unpünktlichkeit, habe schnell alle Vorurteile über Bord geworfen. Aber ach ja, ich befinde mich ja auch in Katalonien, andere Kultur. Gut, also ging es die wenigen Kilometer zum Tierheim. Ibrahim schnappte sich meine Momo und sagte mir, ich solle draußen vor dem Zaun warten. Er ging mit ihr erst mal allein rein und wurde von den anderen Hunden freudig begrüßt. Mir zerbrach es fast das Herz als ich meine Hündin anschaute, und sie mich. Total eingeschüchtert. Ich wusste ja, dass ich gleich nachkomme, aber sie so zu sehen, war erst mal schlimm. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die ihre Hunde einfach so abgeben können. Dann war ich an der Reihe und ich ging rein. Ich wusste gar nicht, wie mir geschah, so viele Hunde um mich herum, alle sprangen nacheinander und auch gleichzeitig an mir hoch und wollten gestreichelt werden. Ich hatte gar nicht so viele Hände.

Ibrahim führte mich herum. Ich fühle mich wie auf einer Baustelle. Die Zwingeranlagen sind zusammengestoppelt. Aber viel Platz. Den Hunden ist es ja egal, wie es aussieht, denen geht es hier richtig gut. Ich denke mir so, hier muss man mal einen Arbeitseinsatz machen und alles vernünftig herrichten. Da kommt die deutsche Mentalität in mir durch und mir fiel ein, dass ich ja eine ganze Liste mit Aufgaben von Stephanie erhalten hatte, die ich abarbeiten musste J, schließlich war ich ja nicht nur zum Spaß hier J. Also erst mal nach Karma gefragt, der in 2 Wochen nach Deutschland reisen sollte. Hier wollte der Adoptant den Halsumfang wissen. Gestaltete sich gar nicht so einfach, weil er ja nicht still hielt. 1. Aufgabe also erledigt aber keine Zeit zum ausruhen, war ja nicht die Einzige. Also Atila angesehen, den großen vierjährigen schwarzen Schäferhund. Man war der aufgedreht, so verspielt und so lieb. Ibrahim führte mir sogleich vor, was Atila schon alles kann. Sitz, Platz und Ball holen. Dann musste er sich um seine Aufgaben kümmern und ich blieb mit den Hunden allein. Also erst mal Fotos machen. Hunde streicheln und meine Hündin natürlich auch nicht dabei vergessen, die sich tapfer hielt. Natürlich wollte ich unbedingt auch Yayo sehen, den ich mir vorher schon ausgesucht hatte und dann mit heimnehmen wollte. Ich fragte Ibrahim wo er sei und er zeigte mir ihn. Hm, ich muss gestehen, irgendwie hatte ich ihn mir größer vorgestellt, aber das spielte gar keine so große Rolle, er sah so knuffig aus. Leider war er im Gegensatz zu den anderen sehr schüchtern und ließ sich erst streicheln, nach dem ich mich eine halbe Stunde zu ihm setzte.

Plötzlich war es schon spanische Mittagszeit und ich sollte gegen 14 Uhr grob herum bei Blai sein, der für mich extra gekocht hatte. Ich durfte Maica nicht sagen, das es mir geschmeckt hat, da Blai vorher noch nie gekocht hatte und er befürchtete, er müsse dann öfter kochen J

Aber es schmeckte sehr, sehr lecker. Nun ging es mit Maica zum Tierheim, Olga war auch schon da. Innerhalb einer Stunde war ich leicht überfordert, so viele Hundenamen, dann die andere Aussprache, wie sollte ich hier nur den Überblick behalten? Welche Hunde sollte ich noch mal fotografieren und Videos machen und noch genauer den Charakter erfragen? Ach, am besten, von allen. Beide riefen mir verschiedene Namen zu und zeigten mir die Hunde. Schon wurIMG 6132de das Handy von Maica gezückt um ein Video zu machen und mir ein Hund in den Arm gedrückt: Sag was. Hieß es. Ähm, was denn? Wie hieß noch mal der Hund? Hätte ich mir doch nur die ganzen Hunde mal vorher eingeprägt. Gefühlt von allen Seiten rief man mir Hundenamen zu und sagte mir, was die so erlebt haben. Auf Spanisch selbstverständlich! Mir schwirrte der Kopf. Kurzzeitig verfluchte ich Stephanie, weil immer neue Nachrichten mit Aufgaben kam. Frag mal nach Peter! Wer ist das? Hund oder Mensch? So langsam verlor ich den Überblick. Wie schaffen es verdammt noch mal die anderen, hier den Überblick zu behalten? Selbst mein Handy streikte schon. Kein Speicherplatz vorhanden. So viele Videos hab ich doch noch gar nicht gemacht? Gut, also meine andere Kamera genommen, geknipst und gefilmt was das Zeug hielt. Stephanies Worte im Ohr, alles später zuzuordnen. Kurzzeitig fragte ich mich nur, wie wir das anstellen sollen aber zum Denken hatte ich keine Zeit, weiter knipsen, filmen, streicheln, anrempeln lassen, auf Kamera aufpassen, Namen merken, aufschreiben. Aufschreiben, O Gott, ich hab ja mein Notizbuch mit. Wie macht man das alles gleichzeitig? Da stößt auch Frau mit Multitaskingfähigkeiten an ihre Grenzen. Ich war froh, als ich draußen war. Aber ausruhen war nicht. Auf gings in die Stadt zum Kastell angucken und Bierchen trinken. Schließlich hatte ich ja so ganz nebenbei noch Geburtstag. Aber zum Feiern war heut keine Zeit, wird verschoben auf morgen, hieß es von Olga. Nun wurde ich gefragt, welche Sprache ich bevorzuge, englisch oder spanisch. Ganz tapfer antwortete ich: Spanisch, schließlich will ich ja endlich mal Theorie in Praxis umsetzen. Und englisch kann ich ja auch nicht perfekt. Zugegebenermaßen war ich froh, dass Olga deutsch konnte, um mir einige Sachen zu übersetzen, denn so langsam streikte mein Gehirn. Trotzdem war ich sehr glücklich und zufrieden, auch mit mir. Schließlich zwingt mich ja keiner dazu. Außer ich mich selber. Ich wollte ja unbedingt spanisch sprechen und viele Fotos und Videos von den Hunden machen. Habe ich da mir zu viel zugemutet? Ach Quatsch, einfach nicht so viele Gedanken machen. Einfach mal jetzt den Sonnenuntergang hoch über der Stadt genießen. Hab ja Urlaub. Urlaub??? Und Geburtstag! Ich genieße. IMG 6419

 

Abends sollte ich mit Stephanie skypen. Skype hab ich nicht. Ich spüre förmlich die ungläubigen Blicke. Ich fühle mich altmodisch. Hm, gut, Maica hat Skype, alles kein Problem.

Am nächsten Tag fahre ich allein ins Tierheim, kenne jetzt auch den Weg, bemerke dann auch die Canera (das staatliche Tierheim) in der unmittelbaren Nähe des privaten Tierheimes. Sieht nicht einladend aus. Ich mache mich an die Arbeit, Fotografieren, Filmchen machen, Yayo an mich gewöhnen. So langsam kann ich Hunde und Namen zuordnen. Nach dem Mittagessen bei Blai geht’s wieder zum Tierheim, es soll mit Yayo spazieren gegangen werden. Der arme kleine Kerl, total verängstigt. Fünf Jahre soll er schon hier sein. Mittlerweile ist er mit geschätzten 11 Jahren der älteste im Tierheim. Soll ich ihm das wirklich antun, ihn hier heraus zu reisen, aus seiner gewohnten Umgebung? Ich soll. Auch er soll schließlich noch ein paar schöne Jahre in einer Familie haben. Nur dafür muss er an der Leine gehen können. Ich hoffe, dass es besser klappt, wenn ich ihn mitnehme. Wahrscheinlich ist das Tierheim einfach zu nah.

Heute wollen wir ja auch meinen Geburtstag feiern. Uns fiel ein, wollten wir nicht mit Stephanie skypen? Ups, vielleicht heute Abend, ach nee, dann doch lieber morgen. Mañana. Stephanie wird’s schon verstehen.

Wir sind im Haus von Ibrahim und seiner Freundin und dem Neugeborenen Ismael. 4 Wochen ist er jetzt. Total süß und schokoladenbraun. Ibrahim kommt ja aus Burkina Faso. Überraschung. Ich bekomme eine Geburtstagstorte und ein Ständchen gesungen. Kerze ausblasen schaffe ich mit Bravour J. Total lieb von allen. Ich fühle mich dazugehörig und bin sehr glücklich.

Am Mittwoch regnet es. Für mich kein Problem, ich werde so oder so im Tierheim dreckig. Maica schreibt mir: No, tiene vacaciones! Du hast Urlaub! Ja, weiß ich, deshalb bin ich ja hier. Aber ich darf nicht fahren. Es regnet schließlich. Ich fühl mich nutzlos. Ich warte auf Maica´s Feierabend, ich will unbedingt ein Geschirr für Yayo kaufen. Wir fahren zum Tierarzt. Ich bin etwas irritiert. Aber Hundeartikel gibt es hier eben beim Tierarzt. Haben die denn keinen Fressnapf? Abends klappte es dann endlich mit dem skypen mit Stephanie. Ein sehr chaotischer Anruf. Ich verstehe fast kein Wort, alle reden durcheinander. Schön, mal wieder deutsch zu sprechen J. Stephanie kann das sehr gut nachvollziehen, ihr erging es ja bei ihrem Besuch ähnlich.

IMG 6151Owei, es ist schon Donnerstag. Ich bin wieder im Tierheim. Hab ja einen Tag ausgesetzt und schließlich soll sich Yayo auch an mich gewöhnen. Mittlerweile kommt er schon zu mir. Etwas zaghaft noch, aber er kommt. Wieder wird Leinenführigkeit geübt. Ibrahim und Maica sind optimistisch – in 2 Tagen hätte er sich daran gewöhnt. Ich bin weiterhin skeptisch.

Freitag – mein Abreisetag aus Lleida. Ich melde mich bei Sarah von Benavarre für ca. 13 Uhr an, noch nicht wissend, dass das spanische Zeitverständnis ein anderes ist. Ich fahre morgens zum Tierheim um Yayo mitzunehmen und noch ein oder zwei Videos von Mai und Orion machen. Mai hat wohl Probleme mit Rüden. Also Aufgabe von Stephanie: ihn mit mehreren anderen Rüden zusammen zu bringen. Klappt wunderbar. Orion schein ein kleines Problem mit seinem Bein zu haben, hebt es immer an, scheint ihm aber keine Probleme zu bereiten. 13:30 Uhr. Stephanie gibt mir schon Aufträge für Benavarre, ich bin aber noch in Lleida. Maica kommt zu mir, wir fahren zum Tierarzt mit Momo2, die über Nacht krank geworden ist. Wollte ich nicht eigentlich schon längst unterwegs nach La Seu d`Urgell sein? Ach egal, bin ja in Spanien, Sarah lebt ja hier schon länger und dürfte für meine Verspätung ja Verständnis haben. Hat sie auch J.

Ich werde gegen 16 Uhr von allen verabschiedet. Leider gingen die Tage recht schnell vorbei, dafür waren sie sehr intensiv und sehr beeindruckend. Mit einem Sack voller schöner Erinnerungen verlasse ich Lleida.

Ich komme abends bei Sarah an und werde auch hier sehr herzlich begrüßt, als ob man sich schon ewig kennt. Auch bei ihr darf ich mit Momo und jetzt Yayo schlafen. Dieser wird erst mal geduscht. Nicht nur das er natürlich etwas nach Tierheim riecht, sondern er verträgt auch das Autofahren nicht. Das muss er in jedem Fall noch lernen, da ich ja immer sehr viel unterwegs bin.IMG 5563 Benavarre

Am nächsten Tag fahren wir nach Benavarre ins Tierheim. Es ist völlig anders als das in Lleida. Hier werden die Hunde wie in Deutschland in Zwingern gehalten und dürfen ab und zu in den Großauslauf. Auch geht man hier mit ihnen spazieren, was in Lleida nicht der Fall ist, oder nur selten. Dafür bringt Lleida wieder viele Hunde in Ausläufen zusammen. Ich kann nicht sagen, was besser oder schlechter ist. Beides ist beeindruckend. In Benavarre gibt es auch nur ca. 20 – 30 Hunde, davon viele Ängstliche, mit denen man erst mal arbeiten muss. Ich fange auch hier an, die Hunde zu fotografieren, welches sich hier einfacher gestaltet, da Sarah an meiner Seite ist und mir gleich alles auf Deutsch erzählen kann. Ich bin begeistert, wie man so schnell synchron übersetzen kann. Ich freue mich, dass wir eventuell 7 neue Hunde in unsere Vermittlung aufnehmen können.

IMG 6568 benavarreDa hier nicht so viele Hunde sind, brauch ich auch nicht so viel zu arbeiten. Wir fahren stattdessen nach Andorra zu einem Fest ins Skigebiet. Hier fand auch eine Hundeshow statt und Agility. Da konnte mir Momo zeigen, was sie kann. Ich war begeistert.

Meine Zeit hier war dann am Montag auch schon wieder vorbei. Ich war etwas wehmütig und wäre gern noch geblieben. Wir fahren aber noch mal ins Tierheim, ich hatte schließlich noch meine kleine Spende an Tierfutter abzugeben. Lleida hat natürlich auch etwas bekommen. Mir gehen einige frühere Schicksale der Hunde zu Herzen. David, der Tierheimleiter zeigt mir Bru, der einen sehr wackeligen Oberkiefer hat, aber keine Schmerzen. Außerdem hatte er einige Bisswunden. Er wird in den nächsten Tagen operiert werden. Mir wird erzählt, dass hier nicht jeder seinen Hund abgeben kann und aufgenommen wird, um es den Spaniern nicht so einfach zu machen. Ich bekomme auch ein Telefonat mit, in dem ein Mann seinen Hund wieder abgeben will, weil er wohl aufs Bett springt und bellt. David erklärt ihm aber, dass er sich mit dem Problem auseinander setzen muss und sich dann eben einen Hundetrainer suchen muss und den Hund deshalb nicht einfach zurück nimmt. Aber ich denke, das ist keine spanische Mentalität, sondern gibt es bei uns ja auch. IMG 6789Benavarre

Nun muss ich mich auch von Sarah verabschieden.

 

Zusammenfassend habe ich bei diesen beiden Besuchen viel gelernt und viel Offenheit und Gastfreundschaft erlebt. Ich mache mich schweren Herzens wieder zurück auf den Weg nach Deutschland und möchte sobald wie möglich wieder kommen.

 

Bericht von Ines aus September 2015