Besuch bei AAF April 2008 - Teil 2

 

Besuch bei AAF im April 2008 - Fortsetzung

Annelies führte uns geduldig durch alle Zwinger und zeigt uns alle Ecken und Winkel, die wir sehen wollten. Viele Tiere leben, zumeist nach Geschlechtern getrennt in größeren Rudeln eingeteilt, auch im dem auf den Grundstück befindlichen Haus. Leen und Annelies kümmern sich alleine um die ca. 200 Hunde, 6 Pferde und die Ziege und leben selber ohne Luxus in einem alten Wohnwagen, der sich in der Mitte des Grundstücks befindet, damit sie alle Bereiche möglichst gut im Auge haben.

Als wir durch die Zwinger gehen und uns in den Rudeln bewegen, werden wir auch hier wieder freundlich und neugierig von allen Hunden begrüsst. Die Tiere machen einen entspannten Eindruck und scheinen sich hier wohl zu fühlen. Sie begrüssen Annelies freudig und sie kennt die Tiere mit Namen. Anfangs dürfen wir die Hunde nicht anfassen, um keine Eifersuchtskämpfe aufkommen zu lassen, was sich aber mit der Zeit ändert. Die Stellung von Annelies als Rudelführerin wird akzeptiert. In diesen Ausläufen befinden sich überwiegend große Hunde und davon sind auch einige schon älter, Tiere, die auch in Deutschland nicht leicht eine Familie finden.

Sicher wäre es besser und einfacher, wenn es weniger Tiere wären aber wo sollen sie hin? Und kann man einfach "die Tür zu lassen" wenn einem ein Hund in Not "über den Weg läuft", auch wenn man weder Geld noch Platz hat? Wir sehen natürlich auch ein paar dünnere und kränkliche Hunde, was aber für einen großen Hundebestand durchaus normal ist. Viele Hunde legen sich später wieder entspannt hin und einige schauen unserem photografischen Treiben interessiert zu.

Während wir durch die Zwinger gehen erleben wir die Tiere und Annelies in einem vertrauten Umfeld und in einem guten Verhältnis miteinander. Annelies kennt die Tiere mit Namen, und weiß über deren Zustand, Geschichten und auch Krankheiten Bescheid und geht liebevoll mit den Tieren um. Nach der Besichtigung des Geländes bitte uns Annelies von sich aus, mit uns über die Hintergründe der letzten Jahre und die negativen Berichterstattung sprechen.

Sie zeigt uns nun die nächsten Stunden jede Menge sorgfältig sortierte Aktenordner, gefüllt mit Unterlagen, Verträgen, Emails, Protokollen ausgehend aus dem Jahr 2001, die die Entstehung der Berichte, deren Hintergründe und auch die daraus entstandenen negativen Folgen dokumentieren. Annelies ist in jeder Hinsicht offen und erzählt vieles, auch ohne das wir danach fragen. Für uns ist es ein ehrliches und offenes Gespräch, in dem sie auch kritische Fragen beantwortet.

Detailliert werden wir hier keine Informationen über die Inhalte geben, da unser Ziel war, für die Tierhilfe Odena eine Klärung zu erlangen. Wir wissen aber jetzt, dass Annelies mit jedem, der diese Informationen haben möchte, über die Hintergründe spricht und das sie Beweise hat, die zur Klärung beitragen. Nach dem was wir im Vorfeld erzählt bekommen hatten, waren wir sehr überrascht von ihrer Offenheit und erleben, das Annelies dankbar ist, dass jemand ihre Sicht und die Wahrheit hören will, die sie, wie gesagt, mit vielen schriftlichen Dokumenten belegen kann. Im Gespräch wird deutlich, dass Annelies schwankt zwischen Sorge und Not, dass sie die Erfahrung der letzten Jahre zu einer Einzelkämpferin gemacht haben, die aber immer noch mit viel Kraft die vielen Hunde im Tierheim versorgt und sich selber wenig gönnt. Sicher hat sie zu einigen Punkten ihre eigenen Ansichten und Einstellungen.

Sicher ist sie eine Frau, die ihre Meinung vertritt und ihren eigenen Weg geht und bestimmt nicht immer einfach ist. Das mag ein Fehler sein, aber wir haben schon viele Tierschützer vor Ort in Spanien kennen gelernt und diese Eigenschaft ist vielen dieser Menschen eigen. Hier an der Basis des Tierschutzes, im Tierheim, mit den vielen Tieren, deren Geschichten und den finanziellen Problemen sehen die Dinge einfach anders aus und erfordern auch mitunter andere, eigene Wege zu gehen. Und nach diesen Erlebnissen von Rufmord, Angriffen und Verleumdungen, hat wohl auch jeder Mensch zurecht das Recht, eigenwillig zu werden. Aber Annelies versucht, ihre Ziele nicht aufzugeben und kämpft.

Hier die Hilfe aus politischen und eigennützigen Gründen zu verweigern, ohne die Hintergründe zu kennen - damit aber vor allem die betroffenen Tiere im Stich und an den Folgen leiden zu lassen, ist unseres Erachtens kein Tierschutz mehr. Diese von anderen, möglicherweise neidischen, Tierschützern, verursachten Probleme führten dazu, dass Sponsoren abgesprungen sind, mit deren Hilfe das Tierheim existierte und die Existenz bedroht. Und die daraus resultierenden finanziellen Probleme führen in erster Linie dazu, dass kein Geld für Futter, Medikamente und zur Bezahlung von Tierarztkosten und zum Überleben der Tiere vorhanden ist.

Ist das Tierschutz? Wir würden uns wünschen bevor man unwissend aburteilt und den im Internet aufzufinden Berichten blind vertraut: macht Euch selber ein Bild, sucht das persönliche Gespräch und bleibt objektiv, und vergesst nicht das Ziel: Tierschutz! Eins ist sicher, wenn man in diese leere Futterkammer schaut weiß man, dass Futter dringend benötigt wird - und wenn man in diese Halle schaut sieht man auch, warum Teppiche dringend benötigt werden. Dringend benötigt werden für die Animal Aid Foundation weiterhin viele Futterspenden ... ... und Teppiche für diesen Aufenthaltsort der Hunde: sowie Spenden, Langzeit-Penicillin und vieles mehr. Für die, die sich das fragen: Leen hat sich nur wenig an unserem Gespräch beteiligt, doch wir haben ihn immer wieder beobachtet, wie er zwischen dem Versorgen der Hunde, Pferde und der Ziege hin- und her lief, Arbeiten, bei denen beiden keiner hilft. Zum Abschluss unseres Besuchs haben uns Annelies und Leen zu unserem Hotel gebracht und wir hoffen, bald wieder vor Ort fahren zu können, diesmal mit guten Nachrichten.